Geschichte
Siedlungsgeschichte
(entnommen aus “Eppenhausen-Emst-Bissingheim-Hassley; Richard Althaus;Hagener Heimatbund)
“Die Geschichte dieses Hagener Stadtteils mit seinen heute etwa 11.000 Einwohnern ist noch sehr jung, wenn man sie mit anderen, „gewachsenen“ Ortsteilen vergleicht. Sie ist durch das 20. Jahrhundert geprägt: um die Jahrhundertwende bestand „Alt-Emst“ aus nur 4 Höfen mit 14 Einwohnern (zum Vergleich; 1915: 111 Einwohner; 1920: 146 Einwohner; 1927: 808 Einwohner; 1941/42: 1194 Einwohner). Und doch gehört dieses Gebiet historisch mit Sicherheit zu den altbesiedelten Landschaften des Hagener Raumes und des angrenzenden Berglandes.
1) Die alte bäuerliche Siedlung Emst
Die alten Emster Bauernhöfe sind urkundlich seit dem Mittelalter mehrfach erwähnt (...) Sie liegen nicht inmitten ihrer Wirtschaftsfläche, sondern am Rande, unweit eines zum Steilhang des Volmetals hinabführende Geländeeinschnitts. An diesem feuchten “Emster Siepen” konnten Brunnen angelegt werden.
Die Geschichte der Höfe kann an den erhaltenen geschichtlichen Dokumenten ( Lehnsregistern, Steuernachrichten ) und den Protokollen der seit dem Hochmittelalter bestehenden Marken abgelesen werden. Dazu einiges Schlaglichter: Die nicht selbstständige Bauernschaft Emst gehörte mit den Bauernschaften Eppenhausen, Herbeck, Halden und Delstern zur Eppenhauser Mark, die sich etwa um 1400 n.Chr. von der Kuhweider Mark gelöst hatte. In einer Urkunde von 1456, die die nutzungsberechtigten Bauernschaften der Kuhweider Mark nennen, werden bereits folgende drei Emster Höfe genannt:
a) “Evertz von Dael und Gerits von Edelenkerken Gut zu Eymhorst (Emst) ist ein Schargut”
b) “Henrix (Henricks) van de Haer Gut toe Eymhorst ist ein Schargut”
c) “Der Hof toe Eymhorst gehört Evert van Daell” (...)
Die älteste urkundliche Erwähnung von Emst stammt aus dem Jahre 1313. (...)
Nach “Ide” bestanden auf Emst drei Höfe bereits in der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts . Die Lagen eines 4.Hofes in Alt-Emst (heute:Wohnhaus Bender) und eines weiteren in der Hardt in Neu-Emst (heute: Gaststätte Schöne) sind erstmals im Urkataster von 1825 zu erkennen. Das letztgenannte Bauernhaus von Linneweber wurde 1920 zur Gaststätte umgebaut.
Auf der ältesten kartographischen Darstellung des Emster Raumes, der Katasterkarte von 1825, besteht das Kalkgebiet etwa zur Hälfte aus Ackerland und fast zur Hälfte aus Wald, Weideflächen sind nur verschwindend gering eingetragen.
Zu den Höfen von Alt-Emst:
Der Schultenhof lag “An der Egge” am Rande der Quellmulde des Emster Siepen. Der ursprüngliche Fachwerkbau brannte 1890 ab und wurde durch einen Ziegelsteinbau ersetzt. Im Urkataster von 1825 wird Nikolaus Schulte als Besitzer genannt. 1911 wurde der Hof mit seinen Ländereien von Theodor Becker gen. Schulte an die “Gartenvorstadt-Gesellschaft” verkauft, bis 1954/55 war er verpachtet und bewirtschaftet von dem Bauern Sudbrack; das Gebäude wurde 1963 abgerissen und 1970 durch ein Altenwohnhaus ersetzt.
Nach Schäfer besaß der Hof vor der ersten Teilung 60 Morgen Land und 20 Marken Anteile. Durch die Abspaltung des ersten ( vor 1313?) und zweiten Hofes ( zwischen 1535 und 1645 ) soll der Schultenhof jedesmal je 15 Morgen Land und 5 Markenanteile eingebüßt haben. (...)
Der Harman-Hof grenzte nördlich an den Schultenhof ( in Richtung zur Straße “Auf dem Kämpchen” ). Es ist der nach Schäfer vor 1313 vom Schultenhof abgespaltene Hof. Nach dem Schatzbuch der Mark von 1486 war Hynrich to Emoest, Bergeß, Pächter des Hofes. Auch dieser Hof war ein volmesteinisches Lehen, das bis 1650 zum Hause Dahl gehörte. Nach “Ide” wurde der Hof danach von Johann von der Capellen zu Werdringen entlehnt. (...)
Das Bauernhaus des Harman-Hofes war im Jahre 1790 in Fachwerkbauweise errichtet worden. (...) Während des dritten Reiches nannte man das ehemalige Bauernhaus “Haus Sonnenblick”, und es diente in dieser Zeit als Müttererholungsheim. Nach 1945 war dort zeitweise der katholische Kindergarten untergebracht. (...)
Der Vorsteher-Hof, nach Schäfer (1953) zwischen 1535 und 1645 vom Schultenhof abgetrennt, gehörte ebenfalls zum volmesteinischen Lehen an das Haus Dahl. (...) Von dem Vorständer- oder Vorsteher Hof zeugt das einzige, aus der alten bäuerlichen Vergangenheit von Alt-Emst heute noch erhaltende Fachwerkhaus “Auf dem Kämpchen”. Es ist heute das zentrale Gemeinschaftshaus des von der Arbeiterwohlfahrt getragenen Altenwohnheim-Komplexes. ”