Geschichte
Die Bebauung von etwa 1900 bis zum zweiten Weltkrieg
(entnommen aus: “Eppenhausen-Emst-Bissingheim-Hassley; Richard Althaus; Hagener Heimatbund”)
1. Die Bebauung von etwa 1900 bis zum zweiten Weltkrieg
Das Aussehen der Hochfläche zwischen Emst und Hassley hatte sich in den Jahrhunderten vor 1900 nur wenig geändert: Einige Waldstücke waren in dem ausschließlich landwirtschaftlich genutzten Gebiet gerodet und ich Ackerland umgewandelt worden, anderes Ackerland mag zeitweise wieder brachfallen und als Weide genutzt worden sein. Auf flachgründigen, felsigen Stellen würden die natürlichen Waldstandorte durch Abtrieb und Beweidung zu einem von Buschwerk (Schlehen,Wachholder) durchsetzten ”Ödland”. Einige dieser Flächen haben sich später wieder zu einem geschlossenen Gebüsch oder Wald zurückentwickelt. Ein Vergleich der Katasterkarten von 1825 und der Karten von 1902 bzw. 1904 und 1915 zeigt Veränderungen dieser Art auf: Der Wald rings um die Bauernhöfe von Alt-Emst und an einigen anderen Stellen ist zum Teil verschwunden und durch Wiesen oder Gärten ersetzt, Ackerland am mittleren Wasserlosen Tal ist zu Gartenland geworden. In der Bebauung aber hat sich bis zur Jahrhundertwende keine Veränderung ergeben. Erst auf der Katasterkarte von 1904 werden die ersten Bauansätze an der Eppenhauser/Emster Straße (10 Häuser) erkennbar. 1901 erfolgte die Eingemeindung von Eppenhausen-Emst in die Stadt Hagen. Erst 10 Jahre später setzte die einheitliche Bebauung des Stadtteils ein:
Im Juni 1911 wurde die “Gartenvorstadt Emst GmbH” gegründet, deren Initiator und Hauptaktionär Karl Ernst Osthaus war. An dem Aktienkaptial von 38.000 RM war er mit 10.000 RM beteiligt. Osthaus strebte in Anlehnung an die Gartenstadt.Konzeption des englischen Sozialreformers Howard die Form der “Gartenvorstadt” an – als ein Gegengewicht zu den gestaltlos wuchernden Großstädten mit einer aus Rentabilitätsgründen äußersten Ausnutzung der Häusergrundrisse. Die Gartenvorstadt sollte einheitlich geplant sein und aus Ein- oder Zweifamilienhäusern bestehen: gesundes Wohnen – auch für sozial schwache Bevölkerungsschichten – in einer schönen Landschaft. Alle Häuser sollten von Gärten umgeben sein, deren Zweck es unter anderem war, den Bewohner “an sein Heim und seine Familie” zu fesseln und ihn vor “Müßiggang und seinen in jeder Hinsicht schlimme Folgen” zu bewahren. Bereits im Jahr 1906 gründete Osthaus die Gartenvorstadt “Hohenhagen”. Führende Architekten dieser Zeit, Henry van de Felde, Peter Behrens und J.L.M. Lauweriks, bebauten das Gelände an der heutigen Straße “Stirnband” mit 13 Wohnhäusern. Das 80 Morgen große Gelände sollte noch von weiteren bekannten Architekten bebaut werden, der erste Weltkrieg legte jedoch diese Tätigkeiten lahm. Da die künstlerische Gestaltung der Anlagen sehr hohe Kosten verursachte, konnten sich in diesem Bereich nur wohlhabenden Bürger ansiedeln. Zu den eindrucksvollsten Bauten in dieser Zeit gehört zweifellos der Hohenhof, ein Entwurf von Henry van de Felde.
Die “Gartenvorstadt Emst GmbH” kaufte im Jahre 1911 das gesamte Gelände der Hochfläche und die bewaldeten Hänge nach Delstern von sieben Landwirten auf. Die gleichzeitige Abgabe aller Grundstücke wurde durch einen gewissen Druck auf die Landwirte erreicht, denn die Gesellschaft erklärte sich nur dann zum Kauf bereit, wenn alle Eigentümer zustimmen würden.
Die Leitung der “Gartenvorstadt Emst” wollte Osthaus Gropius übertragen und damit seine Idee von der “Industrialisierung” des Hausbaus verwirklichen. Der erste Weltkrieg machte jedoch auch diese Pläne zunichte.
Im Jahre 1912 kaufte der Spar- und Bauverein Wehringhausen von der “Gartenstadt Emst GmbH” das Gelände der Straßen “Unter-” und “Oberbaufeld”, “Am Bogen”, “Am Waldesrand” und zum “Buchenhain” un errichtete hier dreißig Ein- und Zweifamilienhäuser. Nach der Karte von 1915 befinden sich in der Gartenvorstadt Emst – später als Neu-Emst bezeichnet – insgesamt ca. 70 Häuser. Die restlichen ca. 40 Häuser wurden ungefähr je zur Hälfte von der Gartenvorstadt-Gesellschaft (Willdestraße) und von privaten Bauherren errichtet.
In Alt-Emst sind bis zum 1.Weltkrieg nur fünf neue Häuser erbaut worden. Sie befinden sich an der Straße “An der Egge” und wurden nach Plänen des ehemaligen Hagener Stadtbaurats Figge erstellt, der selbst Eigentümer eines dieser Häuser wurde.
Während des ersten Weltkrieges mußte die “Gartenvorstadt Emst GmbH” im Jahre 1917 liquidieren. Nachfolgerin wurde die “Westfälische Heimstättengesellschaft mbH. in Münster”. Im Juli 1918 verlegte diese Gesellschaft ihren Sitz von Münster nach Hagen und nannte sich nun “Hagener Heimatstätten GmbH”. Gleichzeitig übernahm die Stadt Hagen die Geschäftsanteile in Höhe von 15.000 Mark der Bauvereine, die bis zu diesem Zeitpunkt Träher der “Westfälischen Heimatstätten GmbH” waren. Die “Westfälische Bauvereinsbank” behielt auch nach der Umbenennung der Gesellschaft ihre Beteiligung mit 6000 Mark.
Nach dem 1. Weltkrieg ging die Bautätigkeit wieder einmal vom Wehringhauser Spar- und Bauverein aus. Die Straße “Hasenlauf” wurde von ihr mit Ein- und Zweifamilienhäusern bebaut.
Im Jahre 1920 entstand dann auch die Bissingheim-Siedlung im 1.Bauabschnitt. Ihre Entstehung bewirkten die Pläne der Bodenreformer Bissing und Damaschke, deren Ziel es unter anderem war, Großgrundbesitzer abzulösen und “jeder Familie die Möglichkeit der Selbsterhaltung durch eigenen Grundbesitz” zu geben. Als General Freiherr von Bissing im Jahre 1919 die “Westfälische Bissingheim-Gesellschaft mbH” in Hagen und gleichzeitig die “Rheinische Bissngheim-Gesellschaft” in der Nähe von Duisburg gründete, kam nur noch der zweite Aspekt (jeder Familie die Möglichkeit der Selbsterhaltung durch eigenen Grundbesitz) zum tragen, wobei insbesondere die Familien von Kriegsbeschädigten berücksichtigt werden sollten.
Durch einen Aufruf des General Bissings wurden die Kriegsversehrten auf das Emster Siedlungsvorhaben aufmerksam gemacht. Obleich das Interesse an einem Siedlerhaus von Seiten dieser Bevölkerungsschicht sehr groß war, zog niemand hin. Zwei Gründe sind hierfür anzuführen: das unerschlossene Gelände und die schlechte Verkehrsanbindung an die Stadt Hagen. Nun hob man die Bedingung, nur Kriegsbeschädigte hier anzusiedeln, auf.
Das Gründungskapital der “Westfälischen Bissingheim-Gesellschaft mbH” setzte sich zum einen aus öffentlichen Geldern zusammen, die dem General Bissing zwecks Verwirklichung seiner bodenreformischen Pläne angewiesen wurden, zum anderen aus öffentlichen Spenden, die teilweise aus Sammlungen von Bissings Berufsoffizierten stammten. (...)
Im Jahre 1919 begann diese Gesellschaft mit der Bebauung der Straßen “Auf dem Boden”, “Auf dem Birnbaum” und dem unteren Teil des “Birkenhain”. Es entstanden 102 Einfamilienhäuser, die im Dezember 1920 bezogen werden konnten. 1921 wurden die Straßen “Am Bissingheim” (heute:Cunostraße), “Am Schlage” und “Birkenhain” bebaut. Bis 1926 entstanden einschließlich der Häuser im “Wachholderkamp” etwa 300 Siedlerstellen. Jedes Siedlerhaus war mit einem Stallanbau und einem Garten versehen worden, durch die der Siedler seine wirtschaftliche Lage verbessern sollte.
Die Inflation und die damit verbundene Kapitalknappheit verursachte die Bauunfähigkeit der “Westfälischen Bissingheim-Gesellschaft”, und so erwarb die Stadt Hagen im Jahre 1927 die Geschäftsanteile des “Vereins Mustersiedlung für Kriegsbeschädigte e.V.” und übernahm gleichzeitig den Anteil der “Hagener Heimstätten GmbH” in Höhe von 90.000 Mark. Im Jahre 1930 vereinigte sich aus wirtschaftlichen Gründen die “Hagener Heimstätten GmbH” mit der “Westfälischen Bissingheim-Siedlungsgesellschaft”.
Parallel zur Bissinheim-Siedlung entstanden in den Jahren 1925/26 die Reiheneigenheime an der “Annaberghöhe” und “Im Eichenwald”. 1928 wurde als letzte größere Einheit vor der Weltwirtschaftskrise die “Elmenhorststraße” mit elf 2-geschossigen Wohnhäusern bebaut. Sie überragten unmotiviert die strenge eingeschossige Bauweise des gesamten Siedlungsgebietes. Die “hohen” Häuser im “Wacholderkamp” waren damals für tuberkulöse Familien bestimmt.
Die mit der Wirtschaftskrise verbundene hohe Arbeitslosigkeit veranlaßte die Gewerkschaften, ihre erwerblosen Mitglieder für ein Siedlerhaus, das in Eigenhilfe zu erstellen war, zu interessieren. Die Erwerbslosen erhielten daduch Arbeit und gleichzeitig Eigentum. Träger dieser Bauvorhaben waren Wohnungsbaugesellschaften.
Dadurch entstand in den Jahren 1930/32 durch Initiative der Gewerkschaften und der “Deutschen Bodenbank” die “Erwerbslosensiedlung” im östlichen Bereich der heutigen “Cunostraße” und im unteren (westlichen) Teil des “Wacholderkamp”. Die hier erstellten Häuser für 46 Arbeiterfamilien wurden im Erbbauvertrag, der über 65 Jahre verlief, vergeben. Im Jahre 1965 wurden die Siedler Eigentümer.
In den Erinnerungen dieser Siedler anläßlich des 40-jährigen Jubiläums ihres “Siedervereins Bissingheim” lesen wir unter anderem:
“Am 27. Juni 1932 erfolgte der erste Spatenstich. Zugegen waren der damalige Bürgermeister Weißler, der Architekt Pütz, das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, August Drefsen und natürlich alle Siedler. Die meisten Siedler waren Bauhandwerker, so daß fachlich keine Schwierigkeiten auftraten. Andere Siedler hatten es sehr schwer mit diesen ungewohnten Arbeiten, vor allem bei den Ausschachtungsarbeiten…..Maschinen gab es keine, es wurde alles mit Spitzhacke, Schaufel und Kelle gemacht…..Die Verpflegung kam aus der Volksküche…..Im Herbst wurden die Häuser verlost…., schon Ende Dezember 1932 und Anfang 1933 konnten die ersten Siedler in ihre neue Heimstatt einziehen.”
Etwa zur gleichen Zeit (1932/33) entstand in den Straßen “Eupen-”, “Malmedy-” und “Walddorfstraße” ebenfalls eine Erwerbslosensiedlung. 32 Eigenheime wurden hier von der “Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Heimbau e.G.m.b.H” errichtet. Dieselbe Gesellschaft erstellte 1938 an den Straßen “Wasserloses Tal”, “Elsenborn-” und “Eupenstraße” weitere Doppelhäuser.
Über die Anfänge in der “Eupen-” und “Malmedystraße” wird berichtet:
” 1931, in der Zeit der ärgsten Arbeitslosigkeit, faßten die Vertreter der Chrislichen Gesellschaft, unter anderem Josef Golücke und Wilhelm Alef, den Entschluß, mit Hilfe der “Produktiven Arbeitslosenhilfe” und “des Gesetzes für die vorstädtische Kleinsiedlung” Eigenheime zu errichten. Sie gründeten die “Siedlungsgesellschaft Heimbau”, sie gewannen für die Planung den Architekten Adam Hanses und erwarben im Bereich der jetzigen “Eupen-” und “Malmedystraße” eine Unlandfläche zu einem heute geradezu sagenhaften Preis von 69 Pfennig pro Quadratmetet. Für die Rodung, Planierung, den Straßanbau und die Ausschachtung wurde 1932 der “Freiwillige Arbeitsdienst der Katholischen Jugend Hagen” eingesetzt. Leiter dieses Dienstes war Anton Steirer, der mit 140 Freiwilligen die Erschließung des Geländes durchführte.”
Die Arbeiten in dem dolinenübersäten und steinigen Boden wurden zunächst höchst unterschiedlich beurteilt. So wetterte ein später durch die NSDAP “zu Ehren” gekommener Stadtverordneter: “Schubkarrenweise wird das Geld des deutschen Steuerzahlers in eine Steinwüste gekippt, in der nie ein Baum wachsen kann”. Etliche Jahre später – inzwischen waren die Häuser bewohnt und das Gelände eingegrünt – wurde just von dieser freigestellten Siedlung gesagt: “Hier kann man sehen, was der Fleiß und die Zielstrebigkeit des schaffenden deutschen Menschen in Selbsthilfe zu leisten vermag”.
Bleibt nur noch zu ergänzen, dass von dieser Stelle Impulse ausgingen, die zu ähnlichen Vorhaben und entsprechenden Ergebnissen an der “Cunostraße” führten und zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, insbesondere mit dem Siedlerbund Emst, anregten.
1939 kaufte die Stadt Hagen das Gelände des heutigen Emsterfeldes von der “Hagener Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft mbH”, der Rechtsnachfolgerin der “Hagener Heimstätten GmbH” und “Bissingheimer Siedlungsgesellschaft”, auf, um einen Flugplatz anzulegen. Die Hochfläche eignete sich wegen ihrer vorwiegend nebelfreien Lage hierzu recht gut. Das Interesse der Bevölkerung an den Flugveranstaltungen war, wie aus früheren Pressemitteilungen zu entnehmen ist, sehr rege.
Nach dem zweiten Weltkrieg konnten die vorhanden Pläne für den Ausbau eines Flughafens auf dem Emsterfeld nicht verwirklicht werden. Die Stadt Hagen benötigte dieses günstig gelegene Gelände wegen ihrer starken Bevölkerungszunahme dringend als Bauland. Bis zur Bebauung wurde das Gelände landwirtschaftlich benutzt.