Geschichte
Die Bebauung des Emsterfeldes nach dem zweiten Weltkrieg
(entnommen aus: “Eppenhausen-Emst-Bissingheim-Hassley; Richard Althaus; Hagener Heimatbund”)
In den ersten Nachkriegsjahren gab es – abgesehen von kleineren Umbauten und dem Ausbau von Wohnungen – keine größeren Bauvorhaben im Bereich des Stadtteils Emst. Im Jahre 1950 wurde dann ein Ideenwettbewerb für die Bebauung des Geländes Emsterfeld ausgeschrieben. Alle Architekten und Städtebauer innerhalb des Gebietes des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk konnten sich hieran beteiligen. Außerdem forderte man einige bekannte Städtebauer auf, am Wettbewerb teilzunehmen. Vierzig Entwürfe wurden eingereicht, wobei der Professor Diez Brandi, Göttingen, mit dem 1.Preis ausgezeichnet wurde. Sein Entwurf sah die Bebauung des Emsterfeldes in drei Abschnitten vor. Brandi erhielt den Auftrag für den 1.Bauabschnitt mit dem Schulneubau. 1953 konnte der Volksschulneubau (heutige Realschule Emst, später erweitert durch den Trakt der heutigen Grundschule Emst) eingeweiht werden. Zu diesem Anlaß gab die Schulpflegschaft das Buch von Albert Schäfer: “Hagen-Emst” heraus.
Mit dem Schulneubau an der “Karl-Ernst-Osthaus-Straße” wurde nach dem 2.Weltkrieg die erste große Bebauung auf Emst – die des Emsterfeldes – eingeleitet. Grenzen des Emsterfeldes sind im Norden die “Karl-Ernst-Osthaus-Straße” und der Grünzug im Bereich des Lohe-Sportplatzes, im Osten die “Haßleyer Straße” und die Bundesautobahn, im Süden Bissingheim und im Westen Neu-Emst.
Das ca. 37 ha große Gelände wurde in drei Bauabschnitte bebaut. Die Wohnausbauten des 1.Bauabschnittes (zwischen Emster Straße und dem Grünstreifen oöstlich der Schule) wurden bis 1958/59 errichtet. Die Verwirklichung des 2.Bauabschnittes (bis Gerhart-Hauptmann-Straße) erfolgte von 1958 bis 1964, die des 3.Bauabschnittes (bis zur Autobahn) von 1968 bis 1970. Die Verteilung der Wohneinheiten auf die Wohnformen – Eigenheime und Mietwohnungen – und auf die entsprechenden Bauabschnitte zeigt folgende Tabelle:
1.Bauabschnitt 121 Eigenheime 189 Mietwohnungen
2.Bauabschnitt 54 Eigenheime 878 Mietwohnungen
3.Bauabschnitt 178 Eigenheime 231 Mietwohnungen
Auch hier wurde dem Bebauungsentwurf der Gartenstadtgedanke zugrundegelegt. Das erklärte Ziel hieß, aufgelockerte, von Grünflächen durchsetzte Wohngebiete zu schaffen. Forderte man seinerzeit in Neu-Emst noch eine offen Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern, wurde jetzt unter der neuen Situation – Verknappung des Baulandes, höhere Erschließungs – und Baukosten – davon Abstand genommen.
Der von Brandi aufgestellte Bebauungsplan wurde nur im 1.Bauabschnitt – einschließlich Schulneubau – verwirklicht. Mit der künstlerischen Oberleitung für die Gestaltung der Bebauung des 2. und 3.Bauabschnittes beauftragte man Professor Dr.May, Hamburg. Die farbige Gestaltung der Gebäude übernahm der Kunstmaler Schilling, Bremen, die Grüngestaltung der Freiflächen der Gartenarchitekt Birkigt, Düsseldorf.
Der Verkauf des städtischen Geländes erfolgte nur an Wohnungsgesellschaften, um eine einheitliche Planung verwirklichen zu können. ( Die Baugesellschaften zahlten für den Quadratmeter Boden zwischen 2,50 und 5 DM; die Erschließungskosten mußten sie tragen). Das städtische Gelände innerhalb der einzelnen Bauabschnitte wurde an je drei Wohnungsbaugesellschaften verkauft; dadurch erhoffte man, eine zu starke Gleichförmigkeit in der Bebauung zu verhindern.
Die Tabelle zeigt, daß im 1.Bauabschnitt die Einfamilienhäuser 40% der Bebauung ausmachen. Im 2.Bauabschnitt dagegen beträgt ihr Anteil nur noch 6,5%. Die Entwicklung zur höheren Bebauung bedingte damals die große Zahl der Wohnungssuchenden. In Hagen lag 1956 die Zahl der wohnungssuchenden Familien bei ca. 9000 mit ungefähr 27.000 Personen. Aus diesem Grunde entschied man sich auch gegen eine Förderung des Siedlungskomplexes 2 durch das Demonstrativprogramm des Bundes, das zur Auflage machte, daß 35% der Wohneinheiten als Eigenheime zu erstellen waren. Das Verhältnis von Eigenheimen zu Mietwohnungen ist im 3.Bauabschnitt ungefähr dasselbe wie im 1.Abschnitt.
Das Gelände nördlich der “Karl-Ernst-Osthaus-Straße”, das zwischen “Risse-”, “Emster-”, “Karl-Ernst-Osthaus-” und “Elsenbornstraße” liegt, wird beim Planungsamt der Stadt Hagen als “Eppenhausen-West” bezeichnet. In den Jahren 1967 bis 1969 sind hier circa 390 Wohnungen erstellt worden. Bauträger ist vorwiegend die “Concordia-Lebensversicherung”. Im Gegensatz zum Siedlungskomplex Emsterfeld sind hier die Wohnungen frei finanziert worden. Die Größen von 3- bis 4-Raum-Wohnungen dominieren. Der Anteil an Eigenheimen beträgt nur 1%.
Unter den jungen Baumaßnahmen der Siebziger Jahre sind zunächst die Altenwohnungen zu nennen. Es wurden Neubauten errichtet an der Elmenhorststraße (Ecke Köhlerweg) und auf dem Kämpchen (Gelände des alten Vorsteher-Hofes). Hier wurden in einer kommunikationsfreundlichen Ringbebauung um das alte Bauernhaus als Mittelpunkt 66 Altenwohnungen (30 für Alleinstehende, 36 für Ehepaare) in einer der Landschaft und der Bausweise – entsprechend der finanziellen Möglichkeiten – angemessenen Form gebaut.
Ein größeres Bauvorhaben wurde auf den Hängen südlich des Wasserlosen Tales zwischen “Felsental” und dem Steinbruch, der die Stadthalle aufnehmen soll, verwirklicht. Dabei entstanden unter anderem vielgeschossige Wohnhochhäuser (Träger: Concordia-Lebensversicherung, Bremer Treuhand).
Auf dem rund 30.000 qm großen Gelände nördlich des des Wasserlosen Tales zwischen “Malmedy-”, “Eupen-” und “Walddorfstraße” und dem Steinbruch der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke mit den gewerblichen Ansiedlungen ist in der Höhe des Plateaus bis zum Wasserlosen Tal eine Terrassenbebauung bis zu 2 Geschossen und auf dem Plateau eine solche bis zu 6 Geschossen vorgesehen. Die verkehrsmäßge Erschließung dieser Wohngebiete ist mit dem Ausbau der Straße “Wasserloses Tal” 1976/77 mit berücksichtigt.
Insgesamt ist in den Altbaugebieten von Emst und Bissingheim seit etwa 1950 eine ständige spürbare Verdichtung der Wohn-Siedlungen durch An- und Ausbauten der Althäuser sowie durch Errichttung neuer Häuser bei Aufteilung der bisherigen Grundstücksflächen oder Erschließung neuer Bauparzellen festzustellen. Dabei bleibt der Eindruck der “Gartenvorstadt” jedoch im großen und ganzen erhalten.